Wallfahrtskirche St. Maria Rorgenwies ("Bild: Jan Rieger (CC BY-SA 3.0)

Wallfahrtskirche St. Maria Rorgenwies

Bis in das 18. Jahrhundert war die Pfarrkirche St. Maria einer der bedeutensten Wallfahrtsorte im Hegau. Auch noch heute ist die Pfarrkirche mit dem Gnadenbild der Mutter Gottes auf dem Hochalter ein beliebtes Wallfahrtsziel. Um das Gnadenbild rankt sich die Legende, dass es sich während eines Brandes von der Wand löste, hinunter zum Frauenbrunnen schwebte und sich dort selbst löschte. Ebenfalls soll das Wasser des Frauenbrunnens heilsam und wunderwirkend sein.

„In einem lustigen Orth, auf ziemlich hohen Berg oder Bühel, nechst darbey und oben auf ain zürliche Kirche zue Unser Lieben Frauwen genanndt, welche ihr zur Ehre mit großer Andacht von denen Catholischen gar viel besucht, auch mit großen Wunderzaichen noch teglich bestetiget wird.“

So zu lesen im Bruderschaftsbuch der uralten Löblichen unserer lieben Frauwen-Gemeinschaft zur Rorgenwies aus dem Jahre 1587.

Heute fragen sich viele Menschen in unserer Region: Wallfahrtsort Rorgenwies? Wo ist Rorgenwies und was ist aus der Wallfahrt geworden?

Rorgenwies liegt in der nordwestlichen Ecke des Dekanats und gehört zur Seelsorgeeinheit Krebsbachtal. Die Geschichte des Ortes und der Pfarrkirche ist eng mit der Wallfahrtsgeschichte verbunden.

Im Jahr 1150 wird der Ort in einem Güterbeschrieb des Klosters Allerheiligen bei Schaffhausen erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit dürfte hier schon eine Wallfahrtskapelle gestanden haben. 1447 wurde eine Kaplanei errichtet, die 1481 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Zu dieser Zeit erlebt die Wallfahrtskirche zu „unserer lieben „Frauwen-Kirche“ wohl ihre erste Blütezeit. 1142 gründete Graf Heinrich von Nellenburg eine Bruderschaft, in die sich viele Pilger eintragen ließen.

Mit der Erneuerung der Marienbruderschaft im Jahr 1587 betreten wir geschichtlich gesicherten Boden. Neben Einwohnern aus den nellenburgischen Orten traten auch viele Beamte der österreichischen Landgrafschaft Nellenburg bei der Bruderschaft bei.

Dieser Bruderschaft – heute vergleichbar mit einem Verein oder Fanclub – trug wesentlich zur Bekanntheit der Rorgenwieser Wallfahrt mit.

Die Verehrung galt einem Gnadenbild der Mutter Gottes auf dem Hochalter, das sich – so die Legende – während eines Brandes von der Wand löste und hinunter zum Frauenbrunnen schwebte, um sich zu löschen. Eine weitere Rolle spielte das heilsame und wunderwirkende Wasser des sog. Frauenbrunnens, wovon uns die Aufzeichnungen der Ortspfarrer im „Liber miraculorum“ berichten. 14 Eintragungen finden sich zwischen 1594 und 1785 im Buch der Wunder.

Über 200 Jahre nahmen die Menschen dieser Region teil an den Wallfahrten zur Muttergottes nach Rorgenwies. In mehreren Erlassen in den Jahren 1803 bis 1809 hat der Generalvikar des Bistums Konstanz, Freiherr von Wessenburg, nahezu alle Wallfahrten und Bruderschaften verboten. Bis 1827 wird das Verzeichnis der Bruderschaften fortgeführt. Die Wessenbergsche Erlasse, die heute als ein Missgriff angesehen werden, waren sicherlich nicht nur der Grund für die Auflösung der Bruderschaft, sondern auch der Grund für das Einschlafen der Wallfahrten nach Rorgenwies.

Die Kolpingfamilie Stockach hält einmal im Jahr an der Tradition fest und pilgert zu „unseren lieben Frauwen“ nach Rorgenwies, ebenfalls auch die Frauengemeinschaft aus Honstetten.

Die Kirche ist in wesentlichen Bauteilen ein spätgotischer Bau, eine nach Osten ausgerichtete Saalkirche. Hochalter und die beiden Nebenaltäre von 1720 sind im barocken Stil erbaut und gewundenen Säulen, vergoldeten Kapitellen, wertvollen Gemälden und Figuren ausgestattet.

In den Jahren 1998 und 1999 fand eine Innenrenovation der Kirche statt, der eine Außenrenovation in den Jahren 2005/2006 folgte.

 

(Text: © Ortsvorsteher Hans-Jürgen Boldt, Rorgenwies / Bild: Jan Rieger (CC BY-SA 3.0)

 

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